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Image by Debby Hudson

Ghosting - zwischen den Welten gefangen



Ghosting


Eine Methode, die ein Ende zeichnen soll und dabei jenes Ende vermissen lässt. Es ist wie ein Geist. Mal da, mal verschwunden, aber nie wirklich weg.

Ein Schweben zwischen den Welten, obwohl der Handelnde sich eigentlich ein schnelles Ende wünscht, aber dabei zum Untoten wird.


Er sprach sie an. Groß, unheimlich sexy, tätowiert und mutig. Dass er jünger war, machte die Aussicht auf ein Date nur noch spannender. Was möchte ein Mann Mitte 30 mit einer Frau Anfang 40? Es ist schon ein kleiner Ego-Schmeichler.

Sie ließ sich auf das Experiment ein. Die Handlungen waren aber schon beim dritten Date nicht ganz passend zu den Worten. Er versteckte seine Unsicherheit hinter flachen Witzen; einer flacher als der andere. Beim ersten und zweiten Date konnte sie noch darüber hinwegsehen. Beim dritten Date war eine Konversation über ernstere Themen aber zunehmend anstrengender. „Hat er eigentlich echtes Interesse?“. Als ob er es spüren kann, schrieb er einen Satz, der auf mehr als nur "Friendzone" schließen ließ.

Das vierte Date läutet die nächste Stufe ein. Ein gemeinsames, romantisches Dinner. Sie ging extra zum Friseur, kaufte sich ein passendes Outfit und die romantische Fantasie vom ersten Kuss, versüßte ihr den ganzen Tag.

Wenn da nicht dieses Bauchgefühl wäre.

„Er hat den Tisch reserviert. Hat er gestern noch geschrieben. Seitdem hat er aber nicht mehr viel gesagt.“

Man redet sich das Bauchgefühl schön, banalisiert es. "Möglicherweise hat er Stress. Muss sich um seine Tochter noch kümmern. Das wird schon." - Doch das quälende Bohren im Bauch ist kaum zu ignorieren.

Beim letzten Versuch ihn zu kontaktieren, werden die Häkchen nicht mehr blau, das Profilbild ist nicht mehr sichtbar, ein Anruf geht nicht durch und die Erkenntnis, dass das Bauchgefühl recht hatte, tut fast schon körperlich weh.


„Warum?“ – Und das ist wohl das Quälendste an dieser Methode. Man weiß nicht was sich verändert hat.


Es ist nicht schlimm, wenn man feststellt, dass es nicht passt. Das tut kurz weh, weil das Ego ein wenig geknickt ist, aber man hat einen klaren Strich daruntergezogen und kann sich, nachdem man sich die Wunden geleckt hat, weiterziehen. Es passt eben nicht immer. Das wäre okay.


Nun ist er ein Untoter. Ein Vermisster, bei dem man nicht weiß, ob er je gefunden wird.

Wahrscheinlich war das nicht seine Absicht. Doch seine Feigheit ließ keinen anderen Weg zu.


In diesem Fall konnte sie für sich eine großartige Erkenntnis feststellen. Sie wollte dieses Mal ehrliche Taten, ehe sie sich verschenkt. Und er hat sich selbst aussortiert.


„Gott sei Dank habe ich mit ihm nicht geschlafen!“


Ein Satz, der nachwirkt und auch die Einstellung zum schnellen Dating hinterfragt.

Wenn ich einen Partner suche, mit dem ich mein Leben teilen möchte – bis zum Lebensende -, macht es dann Sinn, den Anwärter für diesen Posten nicht ausgiebig zu prüfen?

Ich will damit nicht sagen, dass es das oberste Ziel ist, einen Mann oder eine Frau "für immer" zu finden. Wir sind keine Schwäne. Aber zumindest einen Partner für einen längeren Zeitraum als eine Nacht, sollte gut gewählt sein, damit er oder sie euch ergänzt und nicht zerstört.


Wer Ghosting betreibt, der zieht keinen Schlussstrich, sondern hinterlässt eine Wunde.

Du bist wie eine Person, die als vermisst gemeldet wird und es nie klar ist, ob du noch lebst. Willst du das?

Ein Schlussstrich ist unangenehm und es braucht Mut für diesen Schritt zu den eigenen Bedürfnissen zu stehen, aber ich empfehle es jedem, wählt den Mut, nicht die Vermisstenanzeige.


- nach einer Geschichte von Diana L. -

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