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Image by Debby Hudson

Trennungen sind wie Kotze aufwischen

Als meine Freundin bei der Reflexion ihrer letzten Beziehung diesen Satz sagte, bin ich fast vor Lachen vom Stuhl gefallen.


Aber sie hat vollkommen recht!


Wenn eine Katze mal wieder auf den Teppich oder den Boden gekotzt hat, ist das eklig. Die einen holen sofort das Küchenpapier und wischen es weg. Die Wärme des frischen Erbrochenen und der latente Geruch nach Säure und Frischfutter treiben einem die Tränen in die Augen. Andere warten lieber, bis alles kalt geworden ist, und riskieren dabei, hineinzutreten oder auszurutschen. Aber am Ende hilft es nichts: Man muss es aufwischen. Augen zu und durch.


So ist es auch bei Trennungen.


Wie oft sagt man sich, dass der Partner oder die Partnerin doch eigentlich gut ist. Dass man es gut getroffen hat. Man müsse nur geduldig sein, das werde schon wieder, er oder sie meine es nicht so. Der saure Geruch der Selbsttäuschung und die unangenehme Wärme der Beschönigung halten uns davon ab, der Realität ins Auge zu sehen. Dabei wird etwas, das stinkt, nicht besser, nur weil man es antrocknen lässt. Im Gegenteil: Die Gefahr, irgendwann hineinzulatschen und auszurutschen, steigt mit jedem Tag, an dem man sich der Wärme falscher Hoffnung hingibt.


Ja, es ist oft einfacher, sich das, was in der Beziehung fehlt, woanders zu suchen. Es mag sogar bequem erscheinen, wenn man beide Welten haben kann: Lust, Spaß und alle sich bietenden Vorteile. Gut, der Partner oder die Partnerin weiß nichts davon. Aber irgendwann wird er oder sie es erfahren.


Und dann?


So oder so ähnlich begegnet mir das immer wieder in Paarberatungen. Statt etwas anzusprechen oder einmal wirklich zuzuhören, wählt man den vermeintlich letzten Ausweg vor dem Untergang. Auch wenn ich eine Freundin echter Polyamorie bin, lehne ich es ab, Menschen zu verletzen. Und seien wir ehrlich: Wer seinen Partner betrügt, wird ihn verletzen, sobald die Wahrheit ans Licht kommt.


Allein der Moment der Erkenntnis, wenn der Partner eins und eins zusammenzählt und begreift, dass er über Wochen, Monate oder sogar Jahre hintergangen wurde. Dann wird die Realität der eigenen Täuschung in den Augen des einst geliebten Menschen offensichtlich.


Statt euch der Kotze zu stellen und sie wegzuwischen, seid ihr hineingetreten, ausgerutscht und habt den Brei mit eurem Hintern überall verteilt.

Eine Trennung, die man vollzieht, weil man erkannt hat, dass Hoffnung nicht mehr zielführend ist und die Beziehung keine Entwicklung oder Entfaltung mehr ermöglicht, bedeutet Verantwortung für sich selbst und das eigene Leben zu übernehmen. Weil die gemeinsamen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Weil die Grenzen der Beziehung und die Grenzen des Partners erreicht wurden.


Ja, dann gibt es vielleicht keinen Ersatzpartner. Ja, es wird möglicherweise wehtun. Eine Trennung kann schmerzhaft sein und tiefe Wunden hinterlassen – manchmal sogar solche, die lange nachwirken. Aber zwischen dem Schmerz einer ehrlichen Trennung und dem Schmerz, zu erkennen, dass man über Wochen, Monate oder Jahre belogen und hintergangen wurde, besteht ein Unterschied. Wer offen geht, nimmt dem anderen zwar nicht den Liebeskummer, lässt ihm aber seine Würde, seine Entscheidungsfreiheit und die Möglichkeit, die gemeinsame Geschichte als ehrlich zu betrachten.

Wer betrügt, zerstört oft zusätzlich das Vertrauen – nicht nur in die Beziehung, sondern manchmal auch in die eigene Wahrnehmung und in zukünftige Partnerschaften.


Eine ehrliche Trennung kann dieselben Gefühle von Verlust auslösen, aber sie greift die Integrität der gemeinsamen Geschichte weniger an. Die Vergangenheit bleibt schmerzhaft, aber sie wird nicht zwangsläufig rückwirkend entwertet.


Die Entscheidung entsteht dann nicht aus einem Affekt heraus oder aus einem „Hoppla, ich bin ausgerutscht und auf jemand anderen gefallen“. Sie ist eine bewusste Entscheidung zum Wohle aller Beteiligten. Eine Entscheidung, die eine Zukunft ermöglicht, in der Menschen wieder Vertrauen aufbauen und neue Partnerschaften eingehen können.


Ich frage mich deshalb, ob dieses Verhalten gegenüber einem einst geliebten Menschen fair ist.

Wäre ein ehrliches Gespräch nicht besser? Eine Pause? Vielleicht sogar eine Öffnung der Beziehung mit klaren Grenzen und Regeln? Wäre das nicht gesünder als Verrat?

Denn genau so fühlt es sich an: wie Verrat. Ein Verrat an den gemeinsamen Werten.


Fremdgehen hat immer eine Ursache. Dennoch sollte man sich als Erwachsener über die Wirkung im Klaren sein, selbst wenn die Ursache noch nicht vollständig verstanden oder benannt werden kann.


Wenn man erkennt, dass die Hoffnung auf Besserung des Ist-Zustands tot ist, dann muss man sich einen Lappen suchen und im Leben aufwischen.

Danke Diana für diese wundervolle Metapher!



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